Hotelgast erklärt, warum er seit 17 Jahren Hausverbot hat.

Wer gerade einen dieser Tage hatte, an denen einfach alles schiefläuft, der sollte sich einmal auf einen kleinen Plausch mit Nick Burchill aus Dartmouth in der kanadischen Provinz Nova Scotia zusammensetzen.

Denn was Nick vor fast 18 Jahren in dem schönen Hotel „Fairmont Empress“ passiert ist, das veranlasste ihn nun nach all der Zeit, sich hinzusetzen und einen langen Brief an die Hotelleitung zu schreiben. Haltet euch fest – denn es wird ein sehr abenteuerlicher Bericht:

„Wertes Hotel Empress:

Dies mag als ein ungewöhnliches Anliegen erscheinen, aber ich möchte um eine 'Begnadigung' bitten.

Vor 17 Jahren führte eine Verkettung unglücklicher Umstände dazu, dass ich Hausverbot in Ihrem Hotel bekam. Ich würde den Vorfall gerne erklären ...

Im Jahr 2001 war ich erst seit Kurzem bei meinem Arbeitgeber angestellt, und ich war außerdem Reservist der kanadischen Marine. Mein Arbeitgeber veranstaltete damals eine Konferenz im Hotel Empress und es war mein erstes Event bei meiner neuen Firma.

Ich hatte meinen Freunden von der Marine gesagt, dass ich in der Nähe sein würde, und sie hatten mich gebeten, ihnen 'Brother’s Peperonis' aus Halifax mitzubringen. Die sind eine Spezialität aus meiner Gegend. Da wir hier von der Marine reden, brachte ich genug Peperoni-Würste für eine ganze Schiffsbesatzung mit. In aller Eile hatte ich einen Koffer mit den Würsten für meine Freunde vollgepackt. Manche der Portionen waren in Plastik verpackt, andere in Packpapier. Ich hatte genommen, was immer 'Brother’s' mir geben konnte.

Genau diesen Koffer hat meine Fluggesellschaft verloren.

Der Koffer tauchte am nächsten Tag wieder auf. Ich wusste, dass die Würste noch genießbar sein würden. Sie hatten nur kurze Zeit bei Zimmertemperatur herumgelegen. Nichtsdestotrotz würde es noch eine ganze Weile dauern, bis ich sie meinen Freunden überreichen könnte.

Nur zur Sicherheit beschloss ich, sie zu kühlen.

Mein Hotelzimmer war ein schöner, großer Raum im vierten Stock, die Fenster lagen an der Vorderseite des Gebäudes. Das Zimmer war gut ausgestattet, aber es hatte keinen Kühlschrank. Es war April, die Luft war kühl. Eine einfache Methode, all das Essen zu kühlen, wäre einfach gewesen, das Fenster offen stehen zu lassen. Ich öffnete eines der Fenster, verteilte die Wurstpäckchen auf dem Tisch und dem Fensterbrett. Dann ging ich spazieren … für etwa 4 oder 5 Stunden.

Als ich mir die Füße genug vertreten hatte, kehrte ich zum Hotel zurück. Ich erinnere mich daran, wie ich den Flur entlangging, die Tür zu meinem Zimmer öffnete und darin einen ganzen Schwarm Möwen vorfand. Ich hatte keine Zeit, sie zu zählen, aber es müssten so um die 40 gewesen sein, und sie waren seit Langem in meinem Zimmer und hatten dort eine Peperoni-Wurst-Party gefeiert.

Falls Sie sich fragen, was 'Brother’s Peperonis' mit der Verdauung einer Möwe anstellen: Es ist scheußlich. Wie nicht anders zu erwarten, war also das ganze Zimmer voll mit Möwendreck. Was ich nicht wusste, war, dass Möwen auch sabbern können. Besonders dann, wenn sie Peperoni-Würste fressen.

Ich bin sicher, Sie haben inzwischen ein Bild vor Augen. Jetzt vergegenwärtigen Sie sich bitte, dass ich gerade ins Zimmer gekommen war und die Vögel aufgeschreckt hatte. Sie begannen sofort, wild durcheinanderzufliegen und krachten gegen Dinge, während sie verzweifelt versuchten, den Raum durch die kleine Fensteröffnung zu verlassen, durch die sie hereingekommen waren.

Weniger selbstbeherrschte Möwen versuchten derweil, durch die geschlossenen Fenster zu fliehen. Das Ergebnis war ein Tornado aus Möwenexkrementen, Federn, Wurststückchen und großen Vögeln, die alle zusammen im Raum herumwirbelten. Die Lampen fielen von der Decke. Die Vorhänge gingen in Fetzen. Der Kaffeetisch war in einem ekelhaften Zustand.

Ich watete durch die Vögel und öffnete die verbleibenden Fenster. Die meisten der Möwen verließen sofort das Zimmer. Eine versuchte noch, zurückzukommen und noch ein Stück Peperoni-Wurst zu erwischen. In meinem verstörten Zustand zog ich einen meiner Schuhe aus und warf ihn nach dem Vogel.

Sowohl die Möwe als auch der Schuh flogen aus dem Fenster.

Inzwischen war nur noch eine Möwe im Zimmer geblieben, aber es war ein großes Exemplar und sie wollte nicht gehen.

Als ich sie durchs Zimmer jagte, lief sie mit einem großen Brocken Wurst im Schnabel vor mir weg. In einem Moment geistiger Klarheit schnappte ich mir ein Handtuch und sprang damit auf die Möwe los. Sie drehte völlig durch, also wickelte ich sie in das Handtuch und warf sie aus dem Fenster.

Ich hatte vergessen, dass Möwen nicht fliegen können, wenn sie in ein Handtuch eingewickelt sind.

All dies hatte sich sehr schnell abgespielt und es war mitten am Nachmittag. Das Hotel Empress serviert einen sehr berühmten und beliebten Nachmittagstee. Ich vermute, das war das Ziel einer großen Touristengruppe, als diese erst von meinem Schuh und dann von einer eingewickelten Möwe getroffen wurde (die Möwe blieb übrigens unverletzt).

Aber zurück zu meinem kleinen Problem. Das Zimmer sah FURCHTBAR aus. Da war ein großer Schaden entstanden.

Ich war neu in meiner Firma und wollte bei dieser wichtigen Konferenz wirklich einen guten Eindruck machen. Ich beschloss, erst einmal normal weiterzumachen und das Ganze später zu regeln. Da wurde mir bewusst, dass ich nur noch ein paar Minuten bis zu einem wichtigen Essen hatte und nur einen Schuh trug.

Ich schlich mich zum Seiteneingang raus und fand sowohl den Schuh als auch das Handtuch im Matsch neben einem Weg. Der Schuh sah schlimm aus. Ich nahm ihn mit in mein Zimmer. Inzwischen hatte ich die Fenster geschlossen und die Luft im Zimmer war geschwängert vom Geruch verdauter Peperonis und Fisch.

Ich ging ins Badezimmer und spülte den Matsch von meinem Schuh. Er wurde sauber, aber jetzt hatte ich einen nassen, dunklen Schuh und einen trockenen, helleren Schuh.

Im Nachhinein weiß ich, ich hätte den nassen Schuh tragen sollen. Stattdessen beschloss ich, den nassen Schuh mit dem Föhn zu trocknen. Das klappte erstaunlich gut. Ich klemmte den ganzen Föhn in den Schuh hinein und er trocknete gut. Da klingelte das Telefon.

Ich ging nach nebenan, um ranzugehen, und dann fiel der Strom aus. Der Föhn war aus dem Schuh gerutscht und in das volle Waschbecken geplumpst. Ich weiß nicht, wie viel vom ganzen Hotel ich ausgeschaltet habe, aber an diesem Punkt sah ich ein, dass ich Hilfe brauchte.

Ich rief bei der Rezeption an und bat, dass jemand hochkommen solle, um mir beim Saubermachen zu helfen. Ich werde nie das Gesicht der Dame vergessen, als sie die Tür öffnete. Ich hatte keine Ahnung, was ich ihr sagen sollte, also murmelte ich nur „Es tut mir leid“ und ging hinunter zum Essen. Als ich zurückkam, waren meine Sachen in ein kleineres Zimmer geschafft worden.

Ich dachte, das sei das Ende der ganzen Geschichte, bis meine Firma mir mitteilte, dass sie ein Schreiben erhalten hätte, in welchem mir Hausverbot im Hotel Empress erteilt worden sei. Ein Verbot, das ich seit jetzt fast 18 Jahren respektiere.

Ich bin persönlich gereift und übernehme die Verantwortung für mein Handeln. Ich trete demütigst an Sie heran, um für den Schaden um Entschuldigung zu bitten, und hoffe, dass mein lebenslanges Hausverbot auf Ihrem Grundstück aufgehoben werden kann.

Ich hoffe, dass Sie mir eine Begnadigung zuteilwerden lassen oder mir die 18 Jahre der Abwesenheit als 'verbüßte Zeit' anrechnen können.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Hochachtungsvoll,

Nick Burchill

**Update**

Nachdem die Belegschaft des Hotels Empress meinen Antrag erwogen hatte, benachrichtigte mich Ryan, der Manager, dass ich fortan wieder als Gast willkommen sei. Ich wette, ausschlaggebend war das Pfund 'Brother’s Peperonis', das ich als Friedensangebot mitgeschickt hatte.“

O mein Gott. Wenn du denkst, es kann nicht mehr schlimmer kommen, dann fällt der Strom aus.

Aber die Tränen lachenden Damen der Rezeption sind sichtlich begeistert, endlich den Gast kennenzulernen, der inzwischen bestimmt zur unsterblichen Legende des „Fairmont Empress“ geworden ist.

Quelle:

Bored Panda

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