Verzweifelte Mutter schreibt offenen Brief an Ehemann.

Papa arbeitet und Mama bleibt zu Hause – diesem Rollenbild entsprechen viele Familien schon lange nicht mehr. Für Frauen gehört es heutzutage zur Normalität, einen Beruf zu ergreifen. Doch selbst wenn beide Ehepartner das Geld nach Hause bringen, übernehmen häufig immer noch die Frauen den Großteil der Haushalts- und Erziehungsarbeit.

Auch bei der zweifachen Mutter Celeste Erlach aus Nevada (USA) war das so. Obwohl die 38-Jährige nach der Geburt ihres Jüngsten wieder begonnen hatte, berufstätig zu sein, erledigte sie weitgehend allein das Saubermachen, Wäschewaschen sowie die Belange der Kinder. Als sie damit jedoch eines Tages an ihre psychischen und körperlichen Grenzen stieß, schrieb sie ihrem Mann einen offenen Brief, der bei vielen Frauen Anklang fand:

„Lieber Ehemann,

ich. Brauche. Mehr. Hilfe.

Letzte Nacht war es für dich nicht leicht. Ich hatte dich gebeten, auf das Baby aufzupassen, damit ich früh ins Bett gehen könne. Das Baby schrie. Es heulte richtig laut. Ich konnte es vom Obergeschoss aus hören, sodass sich mein Magen verkrampfte. Bei dem Lärm schossen mir zwei Gedanken durch den Kopf: Sollte ich dir zu Hilfe kommen? Oder sollte ich lieber die Tür schließen, um endlich meinen lang ersehnten Schlaf zu bekommen? Ich entschied mich für Letzteres.

Zwanzig Minuten später kamst du herein und das Baby schrie noch immer wie wild. Du hast das Kleine ins Babykörbchen gelegt und es sanft zu mir hingeschoben – ein klares Zeichen, dass du mit dem Aufpassen fertig warst.

Ich hätte dich am liebsten angebrüllt. Immerhin hatte ich bereits den ganzen Tag lang auf das Baby und seinen Bruder aufgepasst. Jetzt musste ich die ganze Nacht immer wieder aufstehen, um das Baby zu füttern. Dabei hättest du dich wenigstens abends für ein paar Stunden um es kümmern können, damit ich ein bisschen schlafen kann.

Nur ein paar Stunden kostbare Ruhe, ist das zu viel verlangt? Ich weiß, dass wir beide unsere Eltern in der typischen Mutter-Vater-Rolle beobachtet haben, solange wir aufwuchsen. Unsere Mütter waren hauptsächlich für Kinder und Haushalt verantwortlich und unsere Väter hatten da nicht viel zu sagen. Es wurde auch nicht viel von ihnen erwartet.

Ich spüre, dass wir jeden Tag stärker in diese alte Rollenverteilung verfallen. Es scheint selbstverständlich, dass ich für die Familie koche, saubermache und mich um die Kinder kümmere – selbst jetzt, da ich wieder arbeite. Dafür gebe ich mir selbst die meiste Schuld. Ich habe damit angefangen und gezeigt, dass es funktioniert. Und ich wollte es ehrlich gesagt auch so haben. Bitte nimm es mir nicht übel, aber ich möchte nicht wissen, was auf die Teller gekommen wäre, wenn du jeden Tag gekocht hättest!

Ich weiß, dass es Freundinnen und andere Mütter auch schaffen – anscheinend mühelos. Ich weiß, dass dir das ebenfalls auffällt. Wenn sie damit zurechtkommen und dabei sogar sehr gut sind, warum sollte ich es dann nicht auch hinbekommen?

Ich weiß es nicht.

Vielleicht zeigen sich unsere Freundinnen in der Öffentlichkeit ja auch bloß von ihrer besten Seite, haben jedoch insgeheim die gleichen Schwierigkeiten wie ich? Vielleicht haben unsere Mütter im Stillen gelitten? Vielleicht haben sie dreißig Jahre später vergessen, wie schwer es war? Oder ist es so, dass – damit hadere ich jeden Tag – ich dieser Aufgabe einfach nicht gewachsen bin? Und so sehr ich mich schäme, diese Worte auszusprechen – ich werde es dennoch tun: Ich brauche mehr Hilfe.

Ich bin auch nur ein Mensch, der gerade einmal fünf Stunden Schlaf bekommt und hundemüde ist. Ich brauche dich.

Morgens müsstest du den Kleinen fertig machen, damit ich mich um das Baby kümmern und euer Mittagessen vorbereiten kann. Ach ja: Den 'Kleinen fertig machen' bedeutet nicht, ihn vor die Glotze zu setzen! Nachts brauche ich eine Stunde Ruhe. Wohl wissend, dass der Kleine in seinem Zimmer schläft und du dich um das Baby kümmerst.

Am Wochenende brauche ich mehr Pausen. Ich muss auch einmal das Haus allein verlassen können und mich wie ein freier Mensch fühlen. Selbst wenn es nur ein kurzer Spaziergang ums Haus oder zum Supermarkt ist. Du solltest auch manchmal das Geschirr abwaschen, wenn ich dich nicht direkt darum bitte.

Es wäre auch schön, wenn du öfter deine Dankbarkeit zeigst. Dass du bemerkst, wenn die Wäsche gewaschen wurde oder wenn ein leckeres Abendessen auf dem Tisch steht. Ich möchte von dir hören, dass du es schätzt, dass ich unser Baby selbst gestillt habe, anstatt einfach auf künstliche Babynahrung zurückzugreifen. Ich hoffe, dass du meine Zurückhaltung bemerkt hast, wenn du zum Sport oder mit Freunden ausgehen wolltest. Hoffentlich erinnerst du dich, dass ich dich nie darum gebeten habe, zu Hause zu bleiben.

Ich weiß, dass unsere Eltern es anders gemacht haben. Und ich hasse es, überhaupt zu fragen. Ich wünschte, ich könnte alles mühelos schaffen. Und ich wünschte, keine Anerkennung für Dinge bekommen zu wollen, die man normalerweise von einer Mutter erwartet. Ich schwenke jedoch die weiße Fahne und gebe zu, nur ein Mensch zu sein. Ich schreibe das alles, damit du weißt, wie sehr ich dich brauche! Wenn es so weiter geht wie bisher, werde ich zusammenbrechen. Das würde dir wehtun, den Kindern und unserer Familie.

Außerdem, gib es zu: Du brauchst mich auch.“

Laut Celeste hat sich der Göttergatte ihre verzweifelte Bitte inzwischen zu Herzen genommen: Nach einigen „Krisengesprächen“ versteht er jetzt die Probleme der jungen Mutter besser und versucht gemeinsam mit ihr, die familiären Aufgaben besser zu verteilen. Die Botschaft hat den Empfänger also erreicht, und noch viel mehr als das:

Celestes offener Brief verbreitete sich rasend schnell im Internet und sprach viele Mütter an, denen es ganz ähnlich geht. Hoffentlich macht er möglichst viele Menschen darauf aufmerksam, wie schwer die Situation von Frauen oder auch Männern sein kann, die neben dem Beruf den Haushalt beinah allein stemmen müssen.

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